Vollmachten: So sorgen Sie richtig vor

flegerin und Seniorin zeigen Daumen hoch

Durch eine Krankheit, einen Unfall oder das Alter kann jeder in die Lage kommen, seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln zu können. Mit Vollmachten, einer Patientenverfügung oder einem Testament sorgen Sie dafür, dass Ihr Wille durchgesetzt wird, auch wenn Sie ihn nicht mehr äußern können.

Der Verband Pflegehilfe erklärt Ihnen auf dieser Seite, welche Vorsorgemaßnahmen es gibt und welche die passende für Ihre persönliche Situation ist. Außerdem erfahren Sie alles Wichtige zu den Kosten und ob ein Notar benötigt wird.

Je nachdem, für welchen Fall Sie vorsorgen möchten, bieten sich unterschiedliche Arten von Dokumenten an. Im Folgenden erklären wir Ihnen, für welche möglichen Situationen Sie sich vorbereiten sollten und geben Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Maßnahmen.

Rechtliche Vorsorge: diese Möglichkeiten haben Sie

Kugelschreiber zeigt auf den Vordruck einer Vorsorgevollmacht

Vorsorgevollmacht: Mit einer Vorsorgevollmacht bevollmächtigen Sie eine oder mehrere Vertrauenspersonen, stellvertretend für Sie zu entscheiden und Ihre Angelegenheiten zu regeln, wenn Sie dazu selbst nicht mehr in der Lage sind. In der Regel fallen darunter vor allem Erklärungen in Gesundheits- und Pflegefragen oder die Vertretung gegenüber Behörden. Sie können in der Vorsorgevollmacht jedoch auch individuelle Bestimmungen treffen und festlegen, für welche Bereiche und Angelegenheiten Sie dem Bevollmächtigten Befugnisse erteilen möchten.

Paar sitzt mit Unterlagen vor dem Computer

Generalvollmacht: Anders als die Vorsorgevollmacht betrifft die Generalvollmacht nicht primär die gesundheitliche Vorsorge: Vielmehr handelt es sich hierbei um eine generelle Vollmacht, die Angelegenheiten aller Art betrifft. Sie tritt außerdem nicht erst bei vorhandener Entscheidungsunfähigkeit des Vollmachtgebers in Kraft, sondern gilt direkt ab dem Tag der Ausstellung, sofern nichts Anderes vereinbart ist. Eine Generalvollmacht bevollmächtigt zur umfassenden rechtlichen Stellvertretung.

Kugelschreiber zeigt auf den Vordruck einer Vorsorgevollmacht

Patientenverfügung: Die Patientenverfügung ist eine schriftliche Willenserklärung für oder gegen bestimmte medizinische Behandlungen: Durch die Patientenverfügung befürworten Sie Behandlungen oder lehnen diese ab. Die Patientenverfügung richtet sich an Ärzte, die damit verbindlich an die Bestimmungen aus Ihrer Patientenverfügung gebunden sind. Sie greift dann, wenn Sie Ihren Willen nicht mehr selbst äußern können. Sie können darin z.B. Entscheidungen zu lebenserhaltenden Maßnahmen oder Organspenden treffen.

Seniorin geht mit Enkelin spazieren und schiebt einen Rollator

Testament: Nur mit einem schriftlich verfassten ordnungsgemäßen Testament können Sie die gesetzliche Erbfolge verhindern und selbst entscheiden, wen Sie bei Ihrem Erbe berücksichtigen oder ausschließen möchten. Wenn Sie kein Testament verfasst haben, greift die gesetzliche Erbfolge automatisch. In dem Fall werden nur Ihre Verwandten in der offiziell festgelegten Reihenfolge und zu einem bestimmten Anteil berücksichtigt. Haben Sie jedoch ein Testament verfasst, können Sie jeden in Ihr Erbe aufnehmen, das besagt die Testierfreiheit.

Registrierung im Zentralen Vorsorgeregister!

Troete

Der Gesetzgeber stellt Ihnen ein Registersystem zur Verfügung, damit Ihre Vorsorgeurkunde oder Patientenverfügung im Betreuungsfall auch gefunden wird – nur dann kann sie im Ernstfall gefunden und korrekt berücksichtigt werden.

Die Registrierung können Sie schnell und kostengünstig selbst vornehmen, egal, ob Sie Ihre Vorsorge mit oder ohne Notar erstellt haben.

Entscheidungshilfe – Für welche Situation wollen Sie vorsorgen?

Seniorin sitzt mit Pflegerin am Tisch und unterhält sich

Grundsätzlich müssen Sie sich nicht auf eine Maßnahme beschränken - im Gegenteil: eine Kombination mehrerer Vorsorgemaßnahmen ist empfehlenswert, da jede einen anderen Sachverhalt abdeckt. Wenn Sie die Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht verbinden, können Sie sich beispielsweise besonders sicher sein, dass Ihr Wille durchgesetzt wird, denn zusätzlich zur vorliegenden Patientenverfügung kann sich Ihre bevollmächtigte Vertrauensperson für Ihren Willen einsetzen.

1. Welche Vollmacht ist die richtige für mich?

Bei der Wahl der passenden Vollmacht sollten Sie sich überlegen, ab wann Ihre Vollmacht gelten soll. Wollen Sie für später vorsorgen oder soll die Vollmacht direkt gültig sein?

Außerdem sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie eine umfassende Generalvollmacht aufsetzen wollen oder lediglich eine Vollmacht für einzelne Bereiche. Die Vorsorgevollmacht ist speziell dafür gedacht, im Fall eigener Entscheidungsunfähigkeit eine Vertrauensperson zu bevollmächtigen, in der Regel für die Bereiche Gesundheit und Pflege. Sie können ihr damit im Voraus alle Befugnisse erteilen, die für diese Situation nötig sind.

2. Brauche ich ein Testament?

Das hängt davon ab, ob Sie in Ihrem individuellen Fall mit der gesetzlichen Erbfolge einverstanden sind oder nicht. Wenn Sie mit der gesetzlichen Erbfolge einverstanden sind, dann können Sie auch auf ein Testament verzichten. Wenn Sie jedoch anderweitig Bestimmungen treffen möchten und z.B. Personen, die nicht mit Ihnen verwandt sind, erben sollen, können Sie dies in einem Testament festlegen. Damit wird Ihr letzter Wille auch rechtskräftig festgehalten.

3. Wie verfasse ich solche Dokumente?

Je nachdem, welches Dokument Sie verfassen möchten, können Sie dies entweder handschriftlich oder mit einem Vordruck tun. Vorgefertigte Formulare sind generell wenig aussagekräftig und sehr allgemein. Sie können sich an diesen Mustern natürlich orientieren; grundsätzlich ist aber eine individuelle Formulierung, die Ihrer Situation und Ihren Wünschen gerecht wird, zu empfehlen. Ein individuell verfasstes Dokument bietet außerdem die größere Rechtssicherheit.

Bei bestimmten Sachverhalten, z.B. einer Vollmacht für Immobiliengeschäfte, müssen Sie das Dokument außerdem notariell beglaubigen lassen. Die Beratung durch einen Anwalt oder Notar empfiehlt sich auch bei der Erstellung eines Testaments, ist aber nicht immer zwingend notwendig.

Häufige Fragen

Seniorin_Rollstuhl

Mit einer Generalvollmacht und einer Vorsorgevollmacht ernennen Sie eine Vertrauensperson dazu, stellvertretend für Sie zu entscheiden – der Entscheidungsbereich richtet sich dabei nach der Art und dem Inhalt der Vollmacht. Die Patientenverfügung ist eine Entscheidungshilfe für Ihre Ärzte, wenn Sie selbst keine Entscheidungen mehr treffen können. Sie bestimmen damit vorab den medizinischen Handlungsspielraum des Klinikpersonals. Mit einem Testament können Sie frei über Ihren Nachlass verfügen.

Mit einer Vollmacht bevollmächtigen Sie eine oder mehrere Vertrauenspersonen, die dann stellvertretend für Sie handeln und entscheiden dürfen. In Ihrer Vollmacht können Sie auch individuelle Bestimmungen treffen, die entsprechend gelten. Sie können eine Generalvollmacht oder eine Vorsorgevollmacht ausstellen, wobei die Generalvollmacht dem Bevollmächtigten umfassendere Befugnisse erteilt.

Eine Vorsorgevollmacht dient vor allem der gesundheitlichen Vorsorge. Sie überträgt einer oder mehreren Vertrauenspersonen alle erforderlichen Befugnisse, um für Sie entscheiden zu können, wenn Sie dazu nicht mehr fähig sind. Die Vorsorgevollmacht tritt dann in Kraft, wenn der Vollmachtgeber nicht mehr selbst geschäftsfähig ist. Eine Generalvollmacht dagegen ist eine umfassendere Vollmacht, die nahezu für alle Angelegenheiten gilt. Selbstverständlich können Sie individuell einige Dinge ausschließen. Sie ist außerdem schon ab dem Tag der Ausstellung gültig.

Durch einen Unfall oder eine Krankheit kann es passieren, dass man plötzlich nicht mehr in der Lage ist, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Der (Ehe-)Partner ist entgegen der allgemeinen Annahme nicht immer automatisch berechtigt, diese Entscheidungen zu übernehmen. Deshalb betrifft die gesundheitliche Vorsorge jeden Menschen. Besonders für eine Patientenverfügung ist niemand zu jung. Es ist außerdem zu empfehlen, mehrere der genannten Maßnahmen zu kombinieren. So kann dafür gesorgt werden, dass Ihr Wille auch wirklich durchgesetzt wird.

Sowohl die Generalvollmacht als auch die Vorsorgevollmacht sind sinnvolle Vorsorgemöglichkeiten. Allerdings ist je nach Situation zu entscheiden, welche Vollmacht besser geeignet ist. Eine Vorsorgevollmacht dient eher der medizinischen Vorsorge, während eine Generalvollmacht eine dritte Person zur umfassenden Rechtsvertretung bevollmächtigt. Entscheidend ist auch der Zeitpunkt, ab dem die Vollmacht gelten soll: Wenn die Vollmacht erst bei Geschäftsunfähigkeit des Ausstellers gelten soll, ist eine Vorsorgevollmacht nötig. Ist dagegen eine sofortige Vertretung gewünscht, sollte eine Generalvollmacht erstellt werden.

Genau wie das Testament und die Patientenverfügung sind auch beide Formen der Vollmacht wichtige Vorsorgemöglichkeiten für den Ernstfall. Die Generalvollmacht unterscheidet sich von der Vorsorgevollmacht unter anderem im Wirkungsbereich und dem Zeitpunkt des Inkrafttretens, daher sollte abgewogen werden, welche Vollmacht für Ihre Situation die Richtige ist.

Grundsätzlich entstehen für Sie bei den Vorsorgemaßnahmen nur dann Kosten, wenn Sie einen Notar hinzuziehen oder Ihr Dokument registrieren lassen. Die Notargebühren sind einheitlich geregelt und richten sich nach Ihrem Vermögen. Für die Registrierung der Vorsorgevollmacht oder der Patientenverfügung im Zentralen Vorsorgeregister entsteht eine einmalige Gebühr von €13 bis €18,50. Wenn Sie Ihr Testament ohne Notar verfassen und selbst im Zentralen Testamentsregister hinterlegen möchten, fällt eine pauschale Gebühr von €75 an.

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