Testament – Für ein sicheres Erbe

Person schreibt ein handschriftliches Testament

Neben der gesetzlichen Erbfolge kann und sollte der Nachlass auch durch ein individuelles, schriftliches Testament geregelt werden. Nur so gehen Sie sicher, dass Ihr letzter Wille korrekt durchgesetzt wird und Ihr Erbe denjenigen Menschen zukommt, denen Sie es vermachen möchten.

Der Verband Pflegehilfe erklärt Ihnen alles Wichtige zur Erbfolge mit und ohne Testament und informiert Sie zu den verschiedenen Arten und den Kosten von Testamenten.

Sie haben wenig Zeit? Einen Überblick erhalten Sie in Fragen und Antworten.

Diese Formen des Testaments gibt es:

Person schreibt ein handschriftliches Testament“

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Testament zu verfassen. Je nach Situation kann eine andere Variante sinnvoll sein: Für Eheleute, die in einer Zugewinngemeinschaft leben, macht z.B. ein gemeinsames Testament am meisten Sinn. Es kann auch ohne Notar verfasst werden. Lesen Sie im Folgenden mehr über die 5 gängigsten Formen des Testaments:

1. Handschriftliches oder privatschriftliches Testament

Das handschriftliche Testament ist neben dem notariellen Testament die häufigste Form des Testaments. Es muss von Anfang bis Ende per Hand verfasst werden und unbedingt mit Angabe von Ort und Datum unterschrieben werden. Maschinell erstellte bzw. am Computer getippte Testamente sind ungültig. Achten Sie darauf, dass Sie das gesamte Testament leserlich verfassen, um Zweifel bei der Interpretation zu vermeiden. Ein Notar wird bei dieser Art von Testament nicht benötigt.

Das handschriftliche Testament können Personen mit einem Mindestalter von 18 Jahren verfassen. Wichtig ist, dass Sie bei der Erstellung testierfähig sind, also nicht nur volljährig, sondern vor allem im Vollbesitz Ihrer geistigen Fähigkeiten. Sie können Ihr handschriftliches Testament jederzeit widerrufen oder darin Änderungen vornehmen. Wenn Sie ein neues Testament verfassen, wird das ältere vorher verfasste Testament automatisch ungültig.

Im Zweifelsfall lieber zum Anwalt!

troete

Auch wenn das handschriftliche Testament privat und ohne Notar verfasst werden kann, ist es unter Umständen trotzdem hilfreich, sich aufgrund der komplexen Rechtslage vorab durch einen Rechtsanwalt beraten zu lassen. In Deutschland kostet eine anwaltliche Erstberatung nie mehr als €250 brutto, das ist gesetzlich festgelegt. Anders als das notarielle Testament ersetzt das handschriftliche Testament nicht den Erbschein.

Bei einem privatschriftlichen Testament empfiehlt sich außerdem die Hinterlegung im Zentralen Testamentsregister gegen eine Gebühr von €75. Durch die Registrierung wird das Testament vor Verlust oder Fälschung geschützt und wird im Bedarfsfall schnell gefunden.

2. Notarielles oder öffentliches Testament

Das notarielle Testament wird gemeinsam mit einem Notar verfasst und bietet damit große Rechtssicherheit. Dabei kann der letzte Wille dem Notar mündlich mitgeteilt werden; der Notar hält das Ganze dann schriftlich fest. Es ist aber auch möglich, das Testament selbst zu verfassen und dann dem Notar zu übergeben, damit er es prüfen und mit Ihnen besprechen kann. Mit der notariellen Beglaubigung wird das Testament rechtskräftig und anschließend vom Notar in amtliche Verwahrung übergeben.

Durch die notarielle Beratung wird die Korrektheit und Gültigkeit des Testaments gewährleistet, außerdem kann der Notar steuerliche Aspekte aufgreifen und Ihnen bei Fragen beratend zur Seite stehen. Auch beim notariellen Testament können Änderungen vorgenommen werden, allerdings müssen Sie die Notarkosten dann erneut tragen. Das notarielle Testament kann außerdem oftmals den nötigen Erbschein ersetzen, der benötigt wird, um sein Erbrecht zu beweisen.

3. Gemeinschaftliches Testament: Berliner Testament

ehepaar

Das gemeinschaftliche Testament ist eine Form des Testaments, die nur von Ehegatten und eingetragenen Lebenspartnern erstellt werden kann. Dabei verfügen sie gemeinsam über Ihr Erbe und erklären gemeinsam Ihren letzten Willen. Das gemeinschaftliche Testament kann entweder notariell oder handschriftlich verfasst werden.

Das bekannteste wechselbezügliche Testament ist das sogenannte Berliner Testament. Beim Berliner Testament setzen sich die Eheleute gegenseitig als Alleinerben ein. Somit fällt dem überlebenden Ehegatten der gesamte Nachlass des Verstorbenen zu. Es handelt sich um ein Testament auf Gegenseitigkeit. Sind beide Ehegatten verstorben, erbt eine zuvor bestimmte Person den Nachlass. In der Regel sind das die Kinder oder andere enge Verwandte des Ehepaares.

Oftmals verzichten die Kinder an dieser Stelle auf den Pflichtteil, wenn beide Elternteile noch leben. Sie werden per Erbfolge oder als Nacherbe nach dem Tod beider Ehegatten sowieso erben.

Lassen sich die Ehepartner zu Lebzeiten scheiden, wird das Testament ungültig. Solange beide Ehegatten noch leben, kann das Testament jederzeit widerrufen werden. Der Widerruf muss allerdings notariell beurkundet werden, auch wenn das Testament privatschriftlich verfasst wurde. Nach dem Tod eines Ehegatten sind Änderungen oder ein Widerruf nicht mehr möglich.

4. Mündliches Nottestament (Drei-Zeugen-Testament)

Wenn Sie in akuter Lebensgefahr schweben, können Sie auch ein mündliches Testament verfassen. Dafür wird kein Notar benötigt, es müssen jedoch drei Zeugen anwesend sein, die nicht mit dem Erblasser verwandt sind und auch nicht im Testament berücksichtigt werden. Sie müssen das Nottestament mitschreiben und dann unverzüglich durch eine Amtsstelle beglaubigen lassen.

Lebt der Erblasser drei Monate nach der Errichtung des Nottestaments noch, wird es ungültig und muss durch ein ordentliches Testament ersetzt werden. Wenn der Erblasser die lebensbedrohliche Situation überlebt, sollte also unverzüglich ein notarielles Testament aufgesetzt werden.

gluehbirne

Was ist ein Erblasser?

Als Erblasser bezeichnet man den Verstorbenen, der seinen Verwandten und Bekannten ein Erbe hinterlässt.

5. Erbvertrag

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Der Erbvertrag stellt eine Alternative zum Testament dar: Es handelt sich hierbei um eine vertragliche Regelung als „Verfügung von Todes wegen“. Im Unterschied zum Testament kann ein Erbvertrag nicht vom Erblasser (die Person, die das Schriftstück verfasst) alleine errichtet werden, sondern nur mit einer zweiten Person und notarieller Beurkundung.

Der Erbvertrag ist ein zweiseitiges Rechtsgeschäft und damit ein Schriftstück mit deutlich höherer Bindungswirkung und -verpflichtung als ein Testament. Ein Widerruf des Testaments kann von den Erben nicht verhindert werden. Beim Erbvertrag dagegen ist der Vertragspartner rechtlich abgesichert, denn der Erblasser verpflichtet sich, dem Vertragspartner im Todesfall Vermögen zu hinterlassen.

Anders als beim gemeinschaftlichen Testament können sich beim Erbvertrag nicht nur Ehegatten wechselseitig als Erbe einsetzen, sondern auch unverheiratete Partner oder andere Personen. Wenn eine andere Person als (Allein-)Erbe eingesetzt werden soll, stellt also ein Erbvertrag eine sinnvolle Alternative zum Testament dar. Weitere mögliche Gründe für einen Erbvertrag können außerdem die Absicherung für Vorleistungen sein oder auch die Nachfolge eines Unternehmens. Bei einem Erbvertrag ist grundsätzlich die Zustimmung beider Vertragspartner nötig.

Ein Erbvertrag muss stets durch einen Notar beurkundet werden. Anders als beim Testament muss der Erblasser nicht nur testierfähig, sondern auch voll geschäftsfähig sein, da es sich um einen rechtskräftigen Vertrag handelt.

Vor- und Nachteile eines Erbvertrags:

Vorteile
  • Bietet große Rechtssicherheit für die eingesetzten Erben
  • Stärkere Bindungswirkung als ein Testament
  • Auch Dritte können in den Vertrag miteinbezogen werden
  • Auch unverheiratete Paare können sich gegenseitig als Alleinerbe einsetzen
  • Kann als Absicherung für Leistungen im Voraus genutzt werden, zum Beispiel wenn ein Angehöriger die Pflege des Erblassers übernimmt und dafür entlohnt werden soll
Nachteile
  • Kann nur schwer widerrufen oder geändert werden
  • Muss notariell beurkundet werden, wodurch Kosten entstehen

6 Tipps: So regeln Sie Ihren Nachlass

Richterhammer und Bücher auf einem Tisch
  • Testament-Arten: Wenn Sie ein Testament verfassen möchten, überlegen Sie sich, welches Testament für Ihre Situation am besten passt. Kommt ein gemeinsames Testament in Frage? Wenn nicht, wägen Sie ab, ob Sie Ihr Testament privat oder notariell verfassen möchten.
  • Vorschriften: Achten Sie auf die Formvorschriften, sodass Ihr Testament auch gültig ist. Besonders beim handschriftlichen Testament sollten Sie berücksichtigen, dass es komplett eigenhändig verfasst und mit Ort und Datum unterschrieben werden muss. Auch muss der Erblasser testierfähig sein, um ein gültiges Testament errichten zu können.
  • Kosten: Anders als beim handschriftlichen Testament fallen beim notariellen Testament Notargebühren an. Diese richten sich nach Ihrem Vermögen und der Art des Testaments. Ein Notar kann Sie umfassend beraten und Ihnen helfen, Ihr Testament sicher zu gestalten. Daher kann eine solche Beratung durchaus nützlich sein, auch wenn dafür Kosten anfallen!
  • Anfechten: Sie können ein Testament anfechten, wenn ein triftiger Grund dafür gegeben ist. Das wäre zum Beispiel die Testierunfähigkeit des Erblassers oder die vorherige Scheidung der Ehepartner beim Berliner Testament. Die Gründe müssen vor Gericht bewiesen werden und werden genaustens geprüft. Ein Testament sollte also nur angefochten werden, wenn auch wirklich ein guter Grund dafür vorliegt.
  • Hinterlegen: Testamente können im sogenannten Zentralen Testamentsregister hinterlegt werden. Wenn Sie ein notarielles Testament verfasst haben, übernimmt der Notar die Registrierung für Sie. Ein handschriftliches Testament können Sie gegen eine Gebühr von €75 selbst registrieren lassen. Durch die Registrierung wird das Testament vor Verlust oder Fälschung geschützt und wird im Bedarfsfall schnell gefunden.
  • Erbfolge: Wenn Sie kein gültiges Testament oder einen Erbvertrag verfasst haben, greift automatisch die gesetzliche Erbfolge. Dabei werden nur Verwandte berücksichtigt, die dann der Erbfolge entsprechend erben. Machen Sie sich vorher darüber Gedanken, ob Sie mit der gesetzlichen Erbfolge einverstanden sind. Sollten Sie nicht einverstanden sein, können Sie Ihr Erbe in einem Testament selbst regeln!

Testament aufsetzen, hinterlegen, anfechten: Das müssen Sie wissen

Testament aufsetzen: Diese Vorschriften müssen Sie beachten

Füller liegt auf einem Dokument

Beim Verfassen eines Testaments ist es wichtig, dass gewisse Formvorschriften eingehalten werden, damit das Testament gültig ist. Diese sollten Sie besonders beim handschriftlichen Testament berücksichtigen. Folgende Punkte sollten Sie unbedingt beachten, wenn Sie Ihr Testament selbst schreiben:

  • Ihr Testament muss eigenhändig verfasst werden (bei einem Berliner Testament reicht es, wenn einer der Ehegatten das Testament niederschreibt).
  • Schreiben Sie das gesamte Testament gut leserlich, um Zweifel auszuschließen.
  • Das Testament muss mit Vor- und Nachname sowie mit Ort und Datum handschriftlich unterschrieben werden.
  • Der Verfasser muss testierfähig sein, um ein Testament zu verfassen.

Beim notariellen Testament wird das Testament entweder dem anwesenden Notar direkt mündlich vorgetragen oder als Niederschrift übergeben. Daher besteht hier keine Gefahr, Formfehler zu begehen. Der Notar kann Sie außerdem rund um Ihr Testament beraten und muss Sie belehren.

Testament hinterlegen: Was muss ich beachten?

Durch die amtliche Verwahrung im Zentralen Testamentsregister ist das Testament vor Verlust oder Fälschung geschützt und steht dem Nachlassgericht im Todesfall des Erblassers direkt zur Verfügung. Die Registrierung ist empfehlenswert und gegen eine pauschale Gebühr von €75 möglich.

  • Wenn Sie ein notarielles Testament errichtet haben, wird dieses vom Notar beurkundet, an das zuständige Amtsgericht übergeben und automatisch im Zentralen Testamentsregister hinterlegt.
  • Wenn Sie ein handschriftliches Testament verfasst haben, können Sie es optional ebenfalls in amtliche Verwahrung übergeben und registrieren lassen. Dafür müssen Sie es dem Nachlassgericht dann selbst übergeben.

Testament anfechten: Was ist zu tun?

Als Erbe hat man die Möglichkeit, ein Testament anzufechten. Das ist grundsätzlich nur nach dem Tod des Erblassers möglich, also wenn der Erbfall schon eingetreten ist. Die Anfechtung muss innerhalb der Anfechtungsfrist stattfinden. Sie beträgt ein Jahr und beginnt dann, wenn der Anfechtungsberechtigte Kenntnis vom Grund der Anfechtung nimmt. Im Normalfall ist das der Zeitpunkt, an dem ihm das Testament erstmalig vorliegt. Darüber hinaus muss es einen anerkannten Grund nach §2077 - §2079 BGB geben, um ein Testament anfechten zu können.

Ein berechtigter Anfechtungsgrund kann vorliegen, wenn:

  • Der Erblasser beim Erstellen des Testaments testierunfähig war
  • Pflichtteilsberechtigte übergangen wurden, die beim Erbfall noch nicht existierten oder von denen der Erblasser nichts wusste
  • Der Erblasser beim Verfassen des Testaments bedroht oder unter Druck gesetzt wurde
  • Die Ehepartner sich vor dem Erbfall haben scheiden lassen (z.B. beim Berliner Testament)

Beweispflicht vor Gericht !

troete

Wichtig ist hier, dass derjenige, der ein Testament anfechten will, seine Gründe vor Gericht beweisen muss. Das Gericht wird die Gründe und den Fall prüfen. Es hat also wenig Sinn, ein Testament aus Neid oder Unmut über ein nicht erhaltenes Erbe anzufechten!

Testament: Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

Geld gestapelte Münzen auf Scheine

Bei einem handschriftlich verfassten Testament entstehen keine Kosten, außer Sie lassen sich durch einen Anwalt oder Notar zusätzlich beraten. Dann fallen entsprechenden Beratungsgebühren an. Wenn Sie ein notarielles Testament errichten, kommen Notarkosten auf Sie zu.

Die Notargebühren richten sich nach dem Vermögen des Erblassers, genauer gesagt nach dem Geschäftswert. Der Geschäftswert bezeichnet bei einem Testament das Gesamtvermögen abzüglich aller Verbindlichkeiten. Bei einem gemeinschaftlichen Testament und einem Erbvertrag fallen doppelte Gebühren an.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Gebühren, die je nach Geschäftswert entstehen. Zu den Gebühren kommen Auslagen und die Mehrwertsteuer hinzu.

Gebühren: Einzeltestament, Gemeinschaftstestament & Erbvertrag
GeschäftswertEinzeltestamentGemeinschaftstestament/Erbvertrag
€10.000€75€150
€25.000€115€230
€50.000€165€330
€250.000€535€1.070
€500.000€935€1.870

Das Erbrecht des Ehegatten

Ehepaar

Neben den Verwandten des Erblassers gilt der Ehegatte ebenfalls als gesetzlicher Erbe. Zum einen wird der Erbteil des Ehegatten durch die Anzahl und Ordnung der erbberechtigten Verwandten bestimmt und zum anderen durch den Güterstand, in dem die Eheleute gelebt haben.

Erbrecht des Ehegatten nach erbberechtigten Verwandten

Erben neben dem Ehegatten noch Verwandte erster Ordnung, in der Regel Kinder, so erbt der Ehegatte einen Viertel des Nachlasses. Erben dagegen lediglich Verwandte zweiter Ordnung wie Eltern oder Geschwister, so erbt der Ehegatte die Hälfte. Testament Haelfte

    Ein Beispiel:

    Der Erblasser hinterlässt seine Ehefrau und seine Mutter, die Ehe war kinderlos. Somit steht der Ehefrau die Hälfte des Nachlasses zu.

Sind keine Verwandten der ersten oder zweiten Ordnung und keine Großeltern als Verwandte dritter Ordnung vorhanden, erbt der Ehegatte den gesamten Nachlass. Somit sind Verwandte vierter oder entfernter Ordnungen sowie Abkömmlinge der Großeltern gegenüber dem Ehegatten nicht erbberechtigt. Testament Ehepartner

    Ein Beispiel:

    Der Erblasser hinterlässt seine Ehefrau und einen Onkel. Hier erbt die Ehefrau allein, da der Onkel als Abkömmling der Großeltern neben der Ehefrau nicht erbberechtigt ist.

Erbrecht des Ehegatten nach ehelichem Güterstand

Neben den anderen erbberechtigten Verwandten spielt auch der Güterstand der Ehegatten eine Rolle, der die Verteilung des Erbes ebenfalls noch beeinflusst. Dabei gibt es drei Möglichkeiten:

  • Zugewinngemeinschaft (gesetzlicher Güterstand): Generell gilt in Deutschland der Güterstand der Zugewinngemeinschaft, sofern in einem Ehevertrag nichts anderes festgelegt wurde. Dabei bleiben die Vermögen der Ehepartner während der Ehe getrennt, nach dem Tod eines Partners oder einer Scheidung findet ein Zugewinnausgleich statt. Der Erbteil des überlebenden Ehegatten erhöht sich pauschal um ein Viertel, unabhängig davon, ob vom verstorbenen Ehegatten tatsächlich ein Zugewinn erzielt wurde.
  • Gütertrennung: Im Fall der Gütertrennung zwischen den Ehegatten gilt, dass der Erbanteil nicht kleiner als der eines Abkömmlings ist, da kein Zugewinnausgleich stattfindet. Das heißt: Wenn neben dem Ehegatten ein oder zwei Kinder erben, wird das Erbe zu gleichen Teilen zwischen allen Personen aufgeteilt.
  • Gütergemeinschaft: Das Vermögen, das während der Ehe erworben wird, ist dann das gemeinschaftliche Vermögen der Eheleute. Hier gilt schlicht die oben beschriebene erbrechtliche Regelung. Die Hälfte des Gesamt-Erbguts wird dann zum Nachlass des Erblassers.
troete

Ohne Erben fällt das gesamte Erbe an den Staat!

Wenn kein Ehegatte und keine Verwandten des Erblassers vorhanden sind, so wird der Staat der gesetzliche Erbe.

Gesetzliche Erbfolge

Erbfolge ohne Testament

Liegt kein wirksames Testament und kein Erbvertrag vor, greift die gesetzliche Erbfolge, die dann die Verteilung des Nachlasses regelt. Die gesetzliche Erbfolge ist in den § 1924 bis § 1928 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) festgelegt. Demnach erbet neben dem Ehegatten auch die Familie des Erblassers. Die Verwandten sind in mehrere Ordnungen eingeteilt, die die Reihenfolge des Erbanspruchs darstellen. Die folgende Grafik veranschaulicht die Erbenordnungen bei einer Erbfolge ohne Testament:

Grafik GesetzordnungErbfolgen ohne wirksames Testament

Dabei gilt, dass alle nachfolgenden Ordnungen vom Erbe ausgeschlossen werden, wenn Verwandte näherer Ordnungen vorhanden sind. Das bedeutet: Leben die Kinder des Erblassers noch (1. Ordnung), sind nachfolgende Verwandte in den folgenden Ordnungen vom Erbe ausgeschlossen. Für die gesetzliche Erbfolge gelten außerdem verschiedene weitere Richtlinien, die nachfolgend erklärt werden:

  • Stammesprinzip innerhalb der 1. Ordnung: Innerhalb der ersten Ordnung gilt das Stammesprinzip, welches Erben, die über denselben Abkömmling mit dem Erblasser verwandt sind, zu einem Stamm zusammenfasst. Das heißt, jedes Kind des Erblassers bildet mit seinen Nachkommen einen eigenen Stamm, der zu gleichen Teilen erbt. Hat der Erblasser zum Beispiel zwei Kinder, bildet jedes davon mit seinen Nachkommen also einen eigenen Stamm.
  • Erbrecht nach Linien innerhalb der 2. und 3. Ordnung: In der zweiten und dritten Ordnung gilt das Erbrecht nach Linien, nach dem jeder (Groß-)Elternteil mit seinen Abkömmlingen eine eigene Linie bildet. Das bedeutet, dass das Erbe auf beide Elternteile (2.Ordnung) oder, wenn diese nicht mehr leben, Großelternteile (3.Ordnung) zu gleichen Teilen aufgeteilt wird. Lebt ein Eltern- oder Großelternteil nicht mehr, so wird der Nachlass des Verstorbenen auf dessen Abkömmlinge aufgeteilt.
  • Gradualprinzip ab der 4. Ordnung: Ab der vierten Ordnung gilt das Gradualprinzip, welches besagt, dass eine näher verwandte Person alle entfernter verwandten Personen von der Erbfolge ausschließt. Entscheidend ist dann also nur noch der Verwandtschaftsgrad. Sind mehrere Personen gleich nah mit dem Erblasser verwandt, wird das Erbe gleichmäßig aufgeteilt.
  • Repräsentationsprinzip für alle Ordnungen: Für alle Ordnungen gilt das sogenannte Repräsentationsprinzip. Demnach schließt der noch lebende Elternteil einer Ordnung alle seine Abkömmlinge von der Erbfolge aus. Ein Beispiel: Lebt ein Kind des Verstorbenen noch, können die Enkelkinder nicht erben. Die Eltern der Enkelkinder schließen sie innerhalb ihres Stammes vom Erbe aus.

Erbfolge mit Testament

Richterhammer und Gesetzbuch

Wenn Sie Ihren Nachlass lieber selbst regeln möchten, können Sie ein Testament verfassen. Damit vermeiden Sie die gesetzliche Erbfolge und bestimmen selbst, welche Personen anteilig erben. Übrigens: Mit einem Testament können Sie auch Personen vom Erbe ausschließen oder Personen ins Erbe aufnehmen, mit denen Sie nicht verwandt sind.

Testierfreiheit & Pflichtteil: Was ist das?

Die Testierfreiheit ist in Artikel 14 des Grundgesetzes verankert. Sie regelt, dass Sie in Ihrem Testament frei darüber entscheiden können, wen Sie in Ihr Erbe aufnehmen oder davon ausschließen möchten. Auch Freunde können Sie so zum Beispiel an Ihrem Nachlass beteiligen. Bei der gesetzlichen Erbfolge steht das Erbe dagegen nur Verwandten zu. Der Verfasser eines Testaments muss testierfähig sein, um ein gültiges Testament schreiben zu können.

Was bedeutet „testierunfähig“?

Grundsätzlich ist jemand so lange als testierfähig anzusehen, bis vor Gericht das Gegenteil bewiesen wurde. Testierunfähig ist jemand, wenn er:

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  • unter 16 bzw. 18 Jahre alt ist
  • nicht dazu in der Lage ist, sich dem Gesetz entsprechend in Schrift und Sprache auszudrücken
  • unter einer geistigen Beeinträchtigung oder Bewusstseinsstörung leidet, sodass er die Bedeutung und Tragweite seiner Entscheidungen nicht absehen kann
  • von einem Dritten beeinflusst oder unter Druck gesetzt wurde
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Die Testierfreiheit wird allerdings durch das sogenannte gesetzliche Pflichtteilsrecht beschränkt.

  • Anspruch: Wann greift das Pflichtteilsrecht?
    Das Pflichtteilsrecht greift nur dann, wenn ein Testament vorliegt und darin Personen, die nach der gesetzlichen Erbfolge erbberechtigt wären, vom Erbe ausgeschlossen oder darin beschränkt werden. Dann steht diesen Personen ein Pflichtteil zu.
  • Personenkreis: Wer hat Anspruch auf den Pflichtteil?
    Das Pflichtteilsrecht steht nur Abkömmlingen des Erblassers, den Eltern und dem Ehegatten des Erblassers zu.
    • Werden aus diesem Personenkreis Personen vom Erbe komplett ausgeschlossen, obwohl sie laut Erbfolge erbberechtigt wären, greift das Pflichtteilsrecht.
    • Auch Personen aus diesem Personenkreis, die zwar beim Erbe bedacht wurden, aber laut Testament weniger erben würden, als ihnen gesetzlich zusteht, haben einen Pflichtteilsanspruch.

Kinder und Ehegatten sind bei Enterbung stets pflichtteilberechtigt. Sie können also niemals komplett enterbt werden. Entferntere Verwandte rücken entsprechend nach, wenn nähere Verwandte nicht mehr leben sollten. Wenn Sie eine Person zum Alleinerben machen, erhalten andere Verwandte mit Anspruch auf einen Pflichtteil trotzdem den entsprechenden Teil des Nachlasses.

  • Anteil: Wie hoch ist die Pflichtteilsquote?
    Es handelt sich bei dem Pflichtteil immer um einen Geldbetrag in Höhe der Pflichtteilsquote. Die Pflichtteilsquote beträgt die Hälfte des Wertes, der dem Berechtigten laut Erbfolge zustehen würde.

    Ein Beispiel:

    Wenn der Erblasser sein Kind mit einem Anspruch auf die Hälfte des Erbes enterbt, steht dem Kind dennoch ein Viertel des Erbes zu. Die Pflichtteilsquote beträgt hier also ein Viertel.

Auch hier schließen nähere Verwandte alle weiteren vom Pflichtteilanspruch aus!

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Beim Pflichtteil besteht wie bei der Erbfolge die Regelung, dass näher Verwandte weiter entfernte potenzielle Pflichtteilberechtigte ausschließen. Lebt also zum Beispiel noch ein Kind des Erblassers, haben die Eltern des Erblassers keinen Anspruch, weil das Kind in der Erbfolge vor den Eltern steht (1. Ordnung).

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Häufige Fragen

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Mit einem Testament können Sie weitestgehend selbst bestimmen, wem Sie welchen Teil Ihres Vermögens vererben möchten. Damit umgehen Sie die gesetzliche Erbfolge. Bei der gesetzlichen Erbfolge werden nur Verwandte und der Ehegatte in vorgeschriebener Höhe berücksichtigt; mit einem Testament können Sie dagegen jede Person beim Erbe berücksichtigen, die Sie möchten. Sie können auch Personen vom Erbe ausschließen, die eigentlich erbberechtigt wären. Allerdings steht ihnen nach wie vor der Pflichtteil zu.

Ein Erbvertrag ist, anders als das Testament, ein verbindlicher Vertrag zwischen dem Erblasser und zukünftigen Erben. Er kann nicht mehr ohne weiteres geändert werden, während dies beim Testament bis zuletzt möglich ist. Ein Erbvertrag ist also dann sinnvoll, wenn der Erblasser verbindliche Vereinbarungen mit einer Person treffen möchte, die nicht abgeändert werden können. Der Vertrag kann auch als Sicherheit für den Erben genutzt werden, der vielleicht im Gegenzug eine Leistung im Voraus erbringt, wie z.B. pflegerische Tätigkeiten.

Die gesetzliche Erbfolge greift, wenn kein wirksames Testament vorliegt. Nach der gesetzlichen Erbfolge werden die erbberechtigten Personen in Rangfolgen aufgeteilt, die dann, abhängig davon, welche weiteren Verwandten noch leben, erben. Die Ehegatten erben ebenfalls. Die gesetzliche Erbfolge sieht zunächst Verwandte vor, die dem Erblasser näherstanden. Weiter entfernte Verwandte rücken nach.

Das kommt darauf an, welche Personen neben ihm noch erben werden und in welchem Güterstand die Eheleute gelebt haben. Beim üblichen gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft erbt der Ehegatte neben Verwandten der 1. Ordnung die Hälfte und neben Verwandten der 2. Ordnung und neben Großeltern drei Viertel.

Die Testierfreiheit ist ein Grundsatz des Erbrechts. Gemeint ist die Freiheit, durch eine „Verfügung von Todes wegen“ selbst zu bestimmen, wer erben soll und wer ausgeschlossen wird. Anders als bei der gesetzlichen Erbfolge können durch die Testierfreiheit nicht nur Verwandte berücksichtigt werden, sondern grundsätzlich jeder Mensch oder auch eine Organisation. Die Grenze der Testierfreiheit ist das sogenannte Pflichtteilsrecht.

Der Pflichtteil ist ein Geldbetrag in Höhe der Pflichtteilsquote, der pflichtteilsberechtigten Familienangehörigen nach dem Tod des Erblassers zusteht. Pflichtteilsberechtigte haben Anspruch auf ihren Anteil vom Erbe. Dieser Anspruch kann nicht umgangen werden. Pflichtteilsberechtigt wird jemand dann, wenn er laut gesetzlicher Erbfolge erbberechtigt wäre, aber durch ein Testament vom Erbe ausgeschlossen wurde. Auch wenn eine Person weniger erhalten würde als bei der gesetzlichen Erbfolge, hat sie Anspruch auf den Pflichtteil. Die Höhe beträgt die Hälfte des Betrags, der der Person laut gesetzlicher Erbfolge zustehen würde.

Es besteht die Möglichkeit ein Einzeltestament oder ein gemeinschaftliches Testament, wie das Berliner Testament, zu errichten. Beim Berliner Testament setzen sich die Ehegatten gegenseitig als Alleinerben ein. Beide Testamentarten können entweder eigenhändig und ohne Notar verfasst werden oder mit notarieller Beurkundung. Man spricht in letzterem Fall dann von einem notariellen oder öffentlichen Testament. Es wird vom Notar direkt in amtliche Verwahrung übergeben. Bei akuter Lebensgefahr kann vor mehreren anwesenden Zeugen auch ein mündliches Nottestament abgegeben werden.

Wenn Sie ihr Testament eigenhändig verfassen, kommen prinzipiell keine Kosten auf Sie zu. Lassen Sie Ihr Testament von einem Notar verfassen und beurkunden, fallen Notargebühren an. Diese richten sich nach Ihrem Vermögen. Die genauen Beträge entnehmen Sie bitte der obigen Tabelle. Wenn Sie sich darüber hinaus von einem Anwalt etc. beraten lassen, fallen ebenfalls Beratungsgebühren an.

Nein, ein Testament können Sie auch ohne Notar verfassen. Dann muss es komplett eigenhändig geschrieben sein und mit Ort und Datum unterschrieben werden. Auch ein handschriftliches Testament können Sie beim Amtsgericht in Verwahrung geben. Ein notarielles Testament bietet den Vorteil der Beratung durch den Notar, der Ihnen hilft, ein individuell passendes Testament zu verfassen. So wird die Gültigkeit und Fehlerfreiheit des Testaments gewährleistet. Allerdings ist das notarielle Testament mit Kosten und mehr Aufwand verbunden.

Sie können Ihr Testament im Zentralen Testamentsregister registrieren lassen. Dadurch wird gewährleistet, dass Ihr Testament im Erbfall umgehend gefunden und berücksichtigt wird. Haben Sie ein notarielles Testament erstellt, übernimmt der Notar die Registrierung für Sie. Auch Erbverträge werden automatisch dort hinterlegt. Ein handschriftliches Testament können Sie ebenfalls registrieren lassen, dafür müssen Sie es dem Nachlassgericht selbst übergeben. Hierfür fällt eine pauschale Gebühr von €75 an. Die Registrierung ist empfehlenswert.

Ja, das Erbrecht des eingetragenen Lebenspartners ist mit dem des Ehegatten identisch. Sie haben damit den gleichen Steuerfreibetrag fürs Erbe in Höhe von €500.000. Bei der gesetzlichen Erbfolge hat auch bei der eingetragenen Lebensgemeinschaft der Güterstand Einfluss auf die Höhe des Erbes.

Wurde das Kind als Minderjähriger adoptiert, ist es gegenüber seinen Adoptiveltern und deren Verwandten gesetzlicher Erbe. Gegenüber seinen leiblichen Eltern verliert das Adoptivkind dann sein Erbrecht. Wurde das Kind erst als Volljähriger adoptiert, verliert es das Erbrecht seinen leiblichen Eltern gegenüber ebenfalls. Es ist dann nur gesetzlicher Erbe seiner Adoptiveltern, aber nicht von deren Verwandten.

Das notarielle Testament bietet durch die Beratung des Notars eine große Sicherheit vor Formfehlern, Fälschungen und Zweifeln. Aber auch jedes andere Testament ist rechtskräftig und verbindlich, wenn dabei keine Fehler gemacht werden, die das Testament ungültig werden lassen. Machen Sie sich auf jeden Fall ausreichend Gedanken und lassen Sie sich bei Bedarf durch einen Anwalt oder Notar beraten.

Die Höhe der Freibeträge richtet sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis zwischen Erblasser und Erben. Ehegatten und eingetragene Lebenspartner haben einen Freibetrag von €500.000; Kinder, Adoptivkinder, Stiefkinder und Enkelkinder, deren Eltern verstorben sind, einen Freibetrag von €400.000. Enkelkindern steht ein Freibetrag von €200.000 zu; Großeltern €100.000 und €20.000 für Geschwister, Kinder von Geschwistern, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern, geschiedene Ehegatten und alle anderen Empfänger.