Pflegebedürftigkeit: Welche ersten Schritte sind wichtig?

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Pflegefall: Die ersten Schritte Wenn in der eigenen Familie oder im engeren familiären Umfeld ein Pflegefall auftritt, sind die betroffenen Personen und auch ihre Angehörigen meist hilflos. Sie wissen oft nicht, wie sie mit dieser neuen Situation umgehen sollen. Viele wichtige Entscheidungen müssen zukünftig getroffen werden. Vor allem, um die Lebensqualität des Pflegebedürftigen, aber auch die des Pflegenden, so gut wie möglich zu erhalten.

Wir möchten Ihnen bei diesen Entscheidungen helfen und haben für Sie wesentliche Punkte zusammengestellt, um die Sie sich im Falle einer Pflegebedürftigkeit kümmern sollten. Genauere Angaben dazu können Sie in den weiteren Kapiteln dieses Ratgebers nachlesen.

Mit dem folgenden 6-Punkte-Leitfaden erhalten Sie ganz kompakt Antwort auf die ersten Fragen. Sie werden dabei unter anderem erfahren wie Sie Gelder bei der Pflegeversicherung beantragen und wie Sie sich auf den Besuch des Medizinischen Dienstes vorbereiten.

Pflegefall - was nun? Ein Leitfaden

  1. Setzen Sie sich zuerst mit Ihrer Krankenversicherung in Verbindung und informieren Sie die dort angegliederte Pflegeversicherung von der Pflegebedürftigkeit mit einem formlosen Schreiben.

  2. Nach Antragsstellung wird der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) mit Ihnen einen Termin vereinbaren um durch einen Hausbesuch die Pflegestufe festzustellen. Sofern Sie es schon wissen teilen Sie Ihrer Pflegeversicherung mit ob Sie zu Hause oder in einem Pflegeheim gepflegt werden möchten.

  3. Führen Sie von nun an ein Pflegetagebuch darüber, bei welchen Verrichtungen geholfen werden muss und wie viel Zeit die Hilfe in Anspruch nimmt. Diese Angaben sind wichtig für die Begutachtung durch den MDK.

  4. Bei der Begutachtung durch den MDK sollten alle Pflegepersonen anwesend sein.

  5. Versuchen Sie einzuschätzen, ob die Pflege längerfristig durch Ihre Angehörigen durchgeführt werden kann und ob Sie ergänzend oder ausschließlich auf die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes zurückgreifen müssen oder die Unterbringung in einem Pflegeheim nötig ist.

  6. Bei der Suche eines geeigneten Pflegedienstes oder eines Altenheimes können Sie auf die Datenbank der Pflegehilfe zurückgreifen, das über 25 000 Pflegeheime und Pflegedienste listet.

Wichtig: Die Aufgaben, die nun auf Sie zukommen, sind vielzählig und sicher nicht leicht. Jedoch müssen Sie diese nicht allein bewältigen.
Das Pflegehilfe-Team bietet Ihnen eine kompetente und vertrauensvolle Unterstützung an und hilft Ihnen dabei, Entscheidungen zu treffen und organisatorische Herausforderungen zu bewältigen. Die Unterstützung durch Freunde, Verwandte und auch Arbeitskollegen kann sehr hilfreich sein und sollte unbedingt von Ihnen angenommen werden.

Pflegeberatung: Welche Informationen sind im Rahmen der Pflegeberatung wichtig?

Eine Pflegekraft hält Hand eines Pflegebedürftigen Eine detaillierte Beratung ist im Falle der Pflegebedürftigkeit fundamental. Dabei spielt die Festlegung der einzelnen Schritte eine wichtige Rolle, um den Überblick zu behalten und die Hilfestellung verständlicher darzustellen.

Ein Pflegefall bedeutet große Veränderungen. Die Selbstständigkeit des Betroffenen wird in vielen Fällen stark eingeschränkt. Einst normale und alltägliche Dinge, wie der Einkauf, die Körperpflege oder Arbeiten im Haushalt, können nicht mehr ohne fremde Hilfe verrichtet werden. Dies erfordert eine neue Orientierung und Organisation des Alltags.

Es müssen einige Fragen beantwortet werden:

  1. Kann der Pflegebedürftige in seiner gewohnten Umgebung bleiben?
  2. Können Angehörige in den Pflegeplan involviert werden?
  3. Wie sehen zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten aus, zum Beispiel durch Pflegedienste, aus?
  4. Wie findet man ein geeignetes Pflegeheim, falls die häusliche Pflege nicht ausreicht?
  5. Welche Leistungen erbringt die Pflegeversicherung?

Das Team der Pflegehilfe steht Ihnen bei allen Fragen rund um die Pflege zur Seite. Wir unterstützen Sie bei der Organisation der Pflege, geben Ihnen wichtige Informationen über die Leistungen der Pflege- und Krankenkassen und klären Sie über ergänzende Sozialleistungen auf. Das ist nur ein Teil der Hilfe, die wir Ihnen anbieten.

Rechtliche Lage: Was sollte festgelegt werden?

Das Auftreten einer Pflegebedürftigkeit ist immer an rechtliche Grundlagen gebunden. Diese Rechtsangelegenheiten sollten so früh wie möglich geklärt werden, um weitere gesetzliche Probleme, die bei einer Verschlechterung des Zustandes auftreten können, zu umgehen. Die sogenannte Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht legt fest, welche Person sich um die Angelegenheit des Pflegebedürftigen kümmern soll, falls dieser nicht mehr dazu in der Lage ist. Außerdem kann so im Vorfeld geregelt werden, welche medizinischen Maßnahmen bei Lebensgefahr erfolgen oder unterlassen werden sollen

Alle wichtigen Informationen über rechtliche Schritte und das Aufsetzen einer Patientenverfügung erhalten Sie HIER.

Unterstützung: Wie finden Sie die passende Versorgung?

Wie sieht eine optimale Betreuung und Versorgung eines Pflegebedürftigen aus?
  Pflegebedürftigkeit bedeutet nicht automatisch den Umzug ins Alten- oder Pflegeheim. Immerhin werden von den rund zwei Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland über 70 % zu Hause betreut und versorgt. Um so lang wie möglich die vertraute Umgebung des Pflegebedürftigen zu erhalten, sollte man Angebote von ambulanten Pflegediensten oder mobilen sozialen Hilfsdiensten nutzen.

Um die passende Form der Pflege zu finden, sollte die individuelle Situation des Pflegebedürftigen, aber auch der Angehörigen realistisch eingeschätzt werden. Im Vordergrund stehen dabei immer die Wünsche des Pflegebedürftigen. Diese sollten so gut es geht berücksichtigt werden. Ein Ausführliches Gespräch mit allen Beteiligten ist für eine Entscheidung über die Pflegeform notwendig. Für die Betreuung Ihres pflegebedürftigen Angehörigen gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Der Pflegebedürftige kann weiterhin in seiner gewohnten Umgebung leben und wird von Angehörigen, Freunden oder durch verschiedene Betreuungsangebote versorgt.
  • Der Pflegebedürftige zieht zu der Pflegeperson und wird von Angehörigen, Freunden oder durch verschiedene Betreuungsangebote versorgt.
  • Der Pflegebedürftige zieht in eine geeignete Pflegeeinrichtung und wird dort durch geschultes Personal versorgt.

Das Angebot von Betreuungs- und Unterstützungsmöglichkeiten ist groß. Einen Überblick zu diesen Möglichkeiten und wie Sie die richtige Entscheidung treffen, finden Sie HIER.

Wege der Finanzierung: Wie erfolgt die Deckung der anfallenden Kosten?

Für die Pflege eines Menschen fallen leider auch verschiedene Kosten an. Unter anderem für die Betreuung, Pflegehilfsmittel oder das barrierefreie Einrichten der eigenen Wohnung. In dem Falle, dass eine sogenannte Pflegestufe anerkannt wird, übernimmt die Pflegeversicherung einen Teil der Kosten. Aus diesem Grund sollte eine Pflegestufe so schnell wie möglich beantragt werden. Wie Sie diesen Antrag stellen können und welche Kosten von der Pflegeversicherung übernommen werden, erfahren Sie HIER.

Pflege und Beruf: Wie kann beides vereint werden?

Die Pflege eines Angehörigen zu organisieren oder selbst durchzuführen und gleichzeitig einen Beruf auszuüben erfordert viel Zeit und Energie. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten einen guten Zwischenweg zu finden. Sie können sich eine Auszeit von der Arbeit nehmen oder die Anzahl der Arbeitsstunden reduzieren. Wie lang diese Angebote im Falle einer auftretenden Pflegebedürftigkeit in Anspruch genommen werden, hängt von den individuellen Umständen ab.