Kurzzeitpflege: Wann kann Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden?

Geschrieben am
Bewertung: 9 von 10 - basierend auf 11 abgegebenen Stimmen.

Kurzzeitpflege: Pflege über die UrlaubszeitKurzzeitpflege bezeichnet die befristete Aufnahme eines pflegebedürftigen Menschen in eine stationäre Pflegeeinrichtung. Betroffene Menschen, die ambulant gepflegt werden, ziehen für einen befristeten Zeitraum in eine vollstationäre Pflegeeinrichtung, wenn ihre Pflege daheim nicht sichergestellt ist. Sie dient vor allem dazu, den pflegenden Angehörigen einen Urlaub von der Pflege zu ermöglichen oder soll helfen eine Krisensituation zu bewältigen. Fällt beispielsweise der pflegende Ehepartner wegen Krankheit aus, kann durch die befristete Aufnahme in eine stationäre Einrichtung der entstandene Versorgungsengpass überbrückt werden.

Für die Kurzzeitpflege gibt es eine Höchstgrenze von 28 Kalendertagen im Jahr. Die Pflegebedürftigen ziehen dann in eine entsprechende Einrichtung und werden dort Tag und Nacht von Fachpersonal betreut.
Normalerweise findet man Plätze für die Kurzzeitpflege in Pflege- und Seniorenheimen. Es gibt jedoch auch Einrichtungen, die sich ausschließlich auf diese Form der Pflege spezialisieren und gar keinen dauerhaften Bewohner aufnehmen. Die Buchung für einen Kurzzeitpflegeplatz kann im Voraus erfolgen, wenn zum Beispiel ein Urlaub geplant ist. Oder eben kurzfristig, bei einer plötzlich eintretenden Krankheit der Pflegeperson.

Pflegebedingte Aufwendungen in einer stationären Pflegeeinrichtung werden von den Pflegekassen mit jährlich bis zu 1.470 Euro übernommen. Sonstige Kosten, beispielsweise für die Mahlzeiten, müssen selbst getragen werden. Die 4 Wochen Kurzzeitpflege pro Jahr können auch in mehrere Zeitabschnitte aufgeteilt werden. Nicht genutzte Tage verfallen am Ende des Jahres.

Die stationäre Kurzzeitpflege kann beantragt werden, wenn

  • nach einem Aufenthalt in Krankenhaus oder in der Rehaklinik die Wohnung noch den neuen Gegebenheiten angepasst werden muss.
  • sich Angehörige auf die Übernahme der Pflege vorbereiten müssen.
  • die Pflegeperson wegen Krankheit, Kur oder Urlaub für kurze Zeit die Pflege nicht selbst übernehmen kann.
  • die Pflegebedürftigkeit vorübergehend ein höheres Maß an Pflege notwendig macht.

So beantragen Sie Kurzzeitpflege

Ein Beispiel: Frau Wiegner pflegt ihre 85-jährige Mutter seit vielen Jahren. Die Mutter ist durch mehrere Schlaganfälle stark beeinträchtigt, sogar das selbstständige Eincremen gelingt ihr nicht mehr. Zusätzlich ist die Seniorin an Diabetes erkrankt und muss deshalb auf pünktliches Essen und Trinken achten. Obwohl sie ihre Mutter sehr gerne pflegt, nimmt sich Frau Wiegner ein Mal im Jahr eine Auszeit und organisiert einen zweiwöchigen Aufenthalt in einer Einrichtung als Kurzzeitpflege. Sie selbst kann sich in dieser Zeit im Urlaub erholen und neue Kraft schöpfen, die Mutter wird bestens betreut und gepflegt und trainiert unter professioneller Anleitung ihre Beweglichkeit.

Unsere Tipps

  • In einem Kalenderjahr können sowohl Leistungen der Kurzzeitpflege als auch Leistungen der Ersatzpflege in Anspruch genommen werden!
  • Mit jedem Jahreswechsel gibt es einen neuen Anspruch auf Kurzzeitpflege. Um die Jahreswende kann Kurzzeitpflege für einen Zeitraum von acht Wochen – beispielsweise vom 4. Dezember bis 28. Januar des folgenden Jahres – genommen werden.

Wenn Sie eine Kurzzeitpflege während der Haupturlaubszeit planen, sollten Sie sich frühzeitig in der ausgewählten Einrichtung anmelden.

Was kostet eine Kurzzeitpflege?

Die Abrechnung der Kurzzeitpflege erfolgt über Tagessätze. Diese richten sich nach der jeweiligen Pflegestufe des Betroffenen. Wie hoch die Kosten sind und wie sich diese zusammensetzen, richtet sich normalerweise nach den Tagessätzen des entsprechenden Pflege- oder Seniorenheims. Informationen zu den Preisen finden Sie HIER.
Die Kosten für die Kurzzeitpflege werden bis zu einer Höhe von 1550 € im Jahr von der Pflegeversicherung übernommen, wenn Ihr pflegebedürftiger Angehöriger eine Pflegestufe besitzt. Detaillierte Informationen zu den Leistungen der Pflegeversicherung bei Kurzzeitpflege finden Sie HIER.

Kurzzeit- und Ersatzpflege: Was ist Kurzzeit- und Ersatzpflege?

Wird die pflegebedürftige Person mit einer Pflegestufe (1-3 oder Härtefall) ambulant versorgt, gibt es die Möglichkeit der Ersatz- oder Kurzzeitpflege. Dies kann unter bestimmten Bedingungen jeweils einmal pro Jahr erfolgen. Wurde eingeschränkte Alltagskompetenz festgestellt oder die Pflegestufe 0 erteilt, besteht nur einmal im Jahr Anspruch auf Ersatzpflege.

Ersatzpflege: Mit der Ersatzpflege werden freiwillige Pflegepersonen, z.B. Angehörige, entlastet. Diese sollen die Zeit dann für z.B. Erholung und Urlaub nutzen. Es gibt verschiedene Betreuungsformen die für die Zeit der Ersatzpflege genutzt werden können, so z.B. ambulante Pflegedienste.

Kurzzeitpflege: Bei der Kurzzeitpflege handelt es sich um die Sicherung der pflegerischen Versorgung in speziellen Situationen.

Welche Bedingungen für die Ersatz- und Kurzzeitpflege erfüllt sein müssen, können Sie in der folgenden Tabelle nachlesen:

 ErsatzpflegeKurzzeitpflege
Voraussetzung
  • Pflegestufe 1-3 (oder Härtefall) sowie eine festgestellte eingeschränkte Alltagskompetenz bei Pflegestufe 0
  • Der Pflegebedürftige muss zuvor mindestens 6 Monate mit Pflegestufe in der Häuslichkeit gepflegt worden sein.
  • Die Pflege darf nicht ausschließlich durch eine Pflegekraft eines zugelassenen Pflegedienstes erbracht werden
  • Pflegestufe 1-3 (oder Härtefall)
  • Besondere Situation:
    • Übergangszeit im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt des Pflegebedürftigen
    • Krankheitsbedingter Ausfall der Pflegeperson
    • Die Pflegeperson ist zur Entlastung im Urlaub
    • Die Pflegebedürftigkeit verschlimmert sich kurzfristig
  • Zugelassene Kurzzeitpflegeeinrichtung
Beantragung Ersatzpflege muss nicht im Voraus beantragt werden. Es reicht, Belege zur Erstattung nachzureichen. Die Kostenübernahme für eine Kurzzeitpflege sollte möglichst vor Beginn der Pflege bei der zuständigen Pflegekasse beantragt werden. Der Antrag kann allerdings auch nachgereicht werden.

Wichtig
Die/ Der Pflegebedürftige kann im Rahmen der Ersatzpflege auch in einer Einrichtung der Kurzzeitpflege untergebracht werden. Jedoch gilt dann vorerst der Anspruch auf Kurzzeitpflege. Wenn dieser schon vollständig genutzt wurde, kann der Anspruch auf Ersatzpflege geltend gemacht werden.

In welcher Höhe werden Leistungen für Kurzzeit- oder Ersatzpflege gezahlt?

Für die Kurzzeit- oder Ersatzpflege stehen jährlich 1.550 € zur Verfügung. Die Pflegestufe hat keinen Einfluss auf die Höhe der Leistung.
Die Kurzzeitpflege und die Ersatzpflege dürfen höchstens 28 Tage im Jahr, welche nicht aufeinander folgen müssen, in Anspruch genommen werden. Die Ersatzpflege kann auch nur stundenweise genutzt werden. Die Stunden werden dann nicht von den 28 Tagen abgezogen.
Das Pflegegeld wird für den Zeitraum der Kurzzeit- oder Ersatzpflege, zur Hälfte des bisher bezogenen Betrages, weitergezahlt. Dies erfolgt für einen Zeitraum von bis zu vier Wochen in einem Jahr. Das Anrecht auf Pflegesachleistungen wird in keiner Weise berührt.

Welche Kosten werden von der Pflegekasse übernommen?

Die Abrechnung kann nur rechtens gemacht werden, wenn die Pflege von einem zugelassenen Pflegedienst oder einer zulässigen Kurzzeitpflegeeinrichtung durchgeführt wird. Die jeweilige Institution muss einen Versorgungspflegevertrag mit der zu pflegenden Person eingehen.

Wichtig
Vor der Vertragsschließung sollten Sie immer kontrollieren, ob der Anbieter mit Ihrer Pflegekasse abrechnen darf.

Beträge, die für die allgemeinen Pflegeleistungen, die medizinische Behandlungspflege und die soziale Betreuung entstehen, werden bis zu einer bestimmten Höhe durch die Pflegekasse beglichen.
Bei einer Kurzzeitpflege ergeben sich darüber hinaus Kosten, die der Pflegebedürftige selbst übernehmen muss. Diese Kosten werden für die Unterkunft und Verpflegung benötigt und um die Investitionskosten zu decken. Diese werden in vielen Bundesländern vom Land übernommen.

Worauf muss ich bei der Auswahl einer Kurzzeitpflegeeinrichtung achten?

Auch wenn Sie Ihre/n pflegebedürftige/n Angehörige/n für die Kurzzeitpflege nur für einen geringen Zeitraum in andere Obhut geben, möchten Sie doch trotzdem sicher sein, dass es ihr/ihm gut geht und sie/er sich in einer sicheren Umgebung befindet. Deshalb ist die Entscheidung für die richtige Einrichtung der Kurzzeitpflege enorm wichtig. Denn sie trägt zur professionellen Versorgung und dem Wohlbefinden des Angehörigen bei. Nehmen Sie sich genug Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Auch Informationen von Ärzten und Erfahrungen von anderen Betroffenen können eine große Hilfe dabei sein.

Das Pflegehilfe-Team hilft Ihnen gerne bei der Suche nach einer geeigneten Kurzzeitpflegeeinrichtung in Ihrer Region.

Da viele Kurzzeitpflegeeinrichtungen an einem Senioren- oder Pflegeheim angeschlossen sind, ist es sinnvoll, die Auswahlhilfen für Pflegeheime zu nutzen. Eine Hilfe zur Auswahl einer geeigneten Einrichtung finden Sie HIER.
Einen detaillierten Fragebogen für die Besichtigung und Bewertung eines Pflegeheims finden Sie HIER.

Artikel zum Thema Pflege und Wohnformen:

Ambulante Pflege: Wann ist ein ambulanter Pflegedienst geeignet?

Ambulante Pflege

Ambulante Pflegedienste sind professionelle Dienste, die für die Pflege zu Hause als Entlastung und Unterstützung der Angehörigen in Anspruch genommen werden können.

Weiterlesen...

Tagespflege: Welche Betreuungsmöglichkeiten gibt es tagsüber?

Tagespflege

Die Tagespflege ist ein Betreuungs- und Pflegeangebot für Menschen, die sich selbst nicht (mehr) vollständig versorgen können und auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind.

Weiterlesen...

Nachtpflege: Wann kann Nachtpflege sinnvoll sein?

Nachtpflege

Die Nachtpflege ist ein Betreuungs- und Pflegeangebot für Menschen, die sich selbst nicht (mehr) vollständig versorgen können. Der Begriff ist abzugrenzen gegenüber der Kurzzeitpflege.

Weiterlesen...

Verhinderungspflege: Wann kann Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden?

Verhinderungspflege

Bei Erholungsurlaub oder Krankheit der Pflegeperson übernimmt die Pflegekasse die Kosten einer notwendigen Ersatzpflege.

Weiterlesen...

Seniorenbetreuung: Was ist eine Seniorenbetreuung?

Seniorenbetreuung

Die Seniorenbetreuung wird von ambulanten Pflegediensten, Seniorenbetreuungsdiensten oder Kirchengemeinden und anderen gemeinnützigen Einrichtungen angeboten.

Weiterlesen...

24 Stunden Betreuung: Was ist eine 24 Stunden Betreuung?

24 Stunden Betreuung

Die 24 Stunden Betreuung gibt den Betroffenen die Möglichkeit, weiterhin in ihrem eigenen zu Hause zu leben. Dabei werden sie rund um die Uhr von einer Betreuungsperson versorgt.

Weiterlesen...

Stationäre Pflege: Wann ist die stationäre Pflege sinnvoll?

Stationäre Pflege

Eine Betreuung außer Haus wird dann notwendig, wenn im gewohnten Umfeld keine Pflegeperson zur Verfügung steht oder die Pflege zu Hause aus anderen Gründen nicht möglich ist wie zum Beispiel fehlende Umbaumöglichkeiten der Wohnung.

Weiterlesen...

Betreutes Wohnen: Wann ist betreutes Wohnen die bessere Alternative?

Betreutes Wohnen

Betreutes Wohnen oder auch Wohnen mit Service, Begleitetes Wohnen oder Wohnen plus bieten neben dem altengerechten Wohnangebot auch verschiedene Serviceleistungen. Wenn von Betreutem Wohnen die Rede ist, dann verbirgt sich dahinter eine Kombination...

Weiterlesen...

Seniorenwohngemeinschaften: Was bieten Seniorenwohngemeinschaften?

Seniorenwohngemeinschaften

Senioren- WGs basieren auf der Überlegung, dass mehrere pflegebedürftige Menschen zusammen unter einem Dach wohnen und sich Personal für Betreuung, Pflege und Versorgung teilen. Es gilt das Schlagwort: Gemeinsam ist man stark und nicht einsam!

Weiterlesen...

Mehrgenerationenhäuser: Welche Vorteile bietet ein Zusammenleben in dieser Wohnform?

Mehrgenerationenhäuser

Bei der Wohnform des Mehrgenerationenhauses wird den Bewohnern ein gemeinschaftliches, selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Neben Senioren leben in Mehrgenerationenhäusern Familien mit (kleinen) Kindern und Singles, Ehepaare und nichteheliche Paare.

Weiterlesen...